Neben den verständlich auf den Punkt gebrachten Fachinformationen zu Diagnostik und Therapie von Inkontinenz war eines beim gleichnamigen Patientenseminar vielleicht sogar noch wichtiger: Dass die Fachärzte den interessierten Gästen vormachten, wie man offen über dieses Thema spricht.
Die Experten standen den Gästen auch in einer offenen Fragerunde zur Verfügung. V.l. Dr. Joachim Zucker-Reimann (Chefarzt Klinik für Gynäkologie/Geburtshilfe), Angelika Henschel (Inkontinenz Selbsthilfegruppe Münster), Sabine Irmer (Urotherapeutin), Dr. Franz Raulf (Chirurg und Proktologe, Kooperationspartner vom End- und Dickdarmzentrum Münster), Dr. Drasko Brkovic (Chefarzt Klinik für Urologie, Onkologische Urologie und Neuro-Urologie), Oberarzt Tobias Schleifer (Urologie) und Oberarzt Dr. Matthias Engelhardt (Urogynäkologe).
Scham überwinden - Lebensqualität gewinnen
Zehn Millionen inkontinente Menschen in Deutschland leben mit ihrem Problem in der Tabuzone, verheimlichen Windeln und Sorge um unangenehmen Geruch und mögen sich noch nicht einmal dem Arzt anvertrauen. Im Schnitt brauchen Frauen vier Jahre, um das Thema endlich anzusprechen. Auch Männer, etwa nach einer Prostata-Operation, verkünden meist, es sei alles in bester Ordnung, und der Arzt erfährt nichts von Harninkontinenz oder Potenzstörungen.
Im Festssaal des Mutterhauses wurde – fernab von Witzeleien oder Peinlichkeit - endlich Klartext geredet. Einfühlsam-sachlich führte Journalistin Martina Kreimann durch das Programm und band das Publikum im Wortsinne „ansprechend“ ins Geschehen ein.
Prägnant und verständlich
Die Referenten des Herz-Jesu-Krankenhauses konnten sich über mangelnde Aufmerksamkeit nicht beklagen und erhielten Lob für die Prägnanz und Verständlichkeit der Ausführungen. Abgerundet wurde die Informationsveranstaltung durch die Anwesenheit von Vertretern der Inkontinenz-Selbsthilfegruppe Münster sowie durch Präsentationsstände mit Produkten zur Hilfe rund um die Inkontinenz.
Themenspektrum
Nach einem Überblick über die verschiedenen Schweregrade der Inkontinenz, Ursachen und Formen sowie Diagnose und Therapie wurden die speziellen Aspekte noch im Einzelnen vertieft. So ging es etwa differenziert um die männliche und weibliche Harninkontinenz, wobei deren Ursachen und Behandlungen aufgrund der unterschiedlichen Anatomie anschaulich dargestellt wurden. Ebenso erfuhren die Teilnehmer, welche Ursachen Stuhlinkontinenz haben kann. Interessant dürfte für viele dabei auch die Darstellung der unterschiedlichen Funktionsweise von Blase und Darm gewesen sein, bevor es dann um die Behandelbarkeit und die guten Erfolgsaussichten ging.
Fazit:
Ob Urogynäkologie oder Proktologie, ob Beckenbodengymnastik, Harnprotokoll oder Ernährungsumstellung - so unterschiedlich die Referatinhalte, so einheitlich zwei Grundaussagen:
Erstens: Der Weg zur neuen Lebensqualität erfordert die Überwindung der Schamhaftigkeit. „Wir können Ihnen helfen“, so der Appell des Kompetenzteams Inkontinenz, „Sie müssen nur den ersten Schritt tun und offen mit Ihrem Arzt sprechen.“
Zweitens: Bevor es zu einer Operation kommt, gibt es ein breites Spektrum an konservativen Therapie-Methoden mit hoher Erfolgsquote. Bei Stuhlinkontinenz etwa hilft in 99 Prozent der Fälle eine nicht operative Therapie.
Auf dem Weg zum Zentrum
Dass im Herz-Jesu-Krankenhaus bzgl. der Inkontinenz-Behandlung Pionierleistungen erbracht werden, zeigt u.a. der Einsatz des Magnetstuhls zur Beckenbodenkräftigung, die in Münster bislang einmalige und vergleichsweise unaufwendige Methode der Harnröhrenunterspritzung mit Hydrogel bei Frauen, die Kooperation mit einer Urotherapeutin oder auch das „male sling“-Operationsverfahren bei harninkontinenten Männern. Mit gebündelter Fachkompetenz befindet sich das Herz-Jesu-Krankenhaus deshalb auf den Weg zum zertifizierten Kontinenzzentrum. „Zwei Drittel der Voraussetzungen“, so das engagierte Team, „sind bereits erfüllt.“
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