Ein Ereignis erster Klasse, der erste Mann reicht das Staffelholz an seinen Nachfolger Dr. Benedikt A. Prümer. So brachte der ärztliche Direktor des Herz-Jesu-Krankenhauses, Dr. Wolfgang Clasen, am 12. Januar die feierliche, musikalisch von Musikhochschülern Münster untermalte Verabschiedung von Dr. Rudolf Kaiser vor 220 Gästen im Mutterhaus der Missionsschwestern auf den Punkt.
Ein Abschied und ein Neubeginn: Dr. Rudolf Kaiser(l.) und Dr. Benedikt A. Prümer.
Chefarzt Dr. Rudolf Kaiser gab Staffelstab an Dr. Benedikt Prümer
Dabei sei Dr. Rudolf Kaiser ein besonderer Fall. 32 Jahre Chefarzt zu sein, sei rekordverdächtig. Das war die erste schwierige Hürde, die langen Jahre ausreichend kommentieren zu können. Ebenso die vielen Funktionen in Ämtern und Gremien aufzuzählen, wie auch die Tätigkeit zu beschreiben, was ein Radiologe in einem Querschnittsfach wie seinem so mache. Immerhin sehe er fast alle Patienten als so genannter nicht bettenführender Dienstleister. Eine Ausnahmestellung in einem Krankenhaus, die sonst nur der Anästhesist einnehme.
32 Jahre, eine Zeit mit vielen Veränderungen und Anforderungen
Dr. Rudolf Kaiser war es, der seit seinem Antritt als Chefarzt am 2. November 1978 für die rasche Entwicklung der Radiologie verantwortlich war. Fand er in dem Krankenhaus der Ordensschwestern nicht mehr als eine Durchleuchtungsanlage vornehmlich für Magen und Galle vor, entwickelte er Konzepte, die zur Anschaffung modernster Geräte führten. Bereits 1983 boten die CT- und MRT-Verfahren eine bessere radiologische Diagnose. “Wussten Sie, dass indirekt die Beatles die Computertomografie gefördert haben?”, investierte die an der “Seargent Pepper’s Lonely Hearts Club Band”-Scheibe gut verdienende Firma EMI in die von dem Schotten Godfrey Hounsfield entwickelte Computertomografie.

Der Ärztliche Direktor Dr. Wolfgang Clasen (l.) ließ das Wirken von Dr. Rudolf Kaiser Revue passieren.
2005 ergab die Einführung der Spiral-CT neue Möglichkeiten einer verkürzten Untersuchungszeit und eine bessere Diagnose besonders in der Gefäßmedizin. “Es ist das Arbeitspferd der Untersuchungen”, machte Dr. Rudolf Kaiser deutlich. Neben der in angegliederter Praxis ausgelagerten Kernspintomografie, bei der die Bilder durch die Kombination von Magnetfeldern und Radiowellen entstehen, trage seit 2010 ein Festkörperdetektor zur weiteren radiologischen Diagnostik bei.
Kölner traf auf Düsseldorfer
Während zu früheren Zeiten so manche Röntgenbilder durch das Krankenhaus transportiert werden mussten, sorgt heute ein Folienspeichersystem, aus dem elektronische Bilder erzeugt werden können, für ein digitales Archiv, das jederzeit von jeder Abteilung abgerufen werden kann. “Wir nähern uns dem papierlosen Krankenhaus”, so der 100 Jahre später als Wilhelm Röntgen geborene Familienvater und Großvater von fünf Enkeln mit den Hobbys Musik und Faustball sowie dem Faible für Englisch. “Die beiden Einser in den Fächern Musik und Englisch haben mir den Zugang zum Medizinstudium verschafft” verriet der Absolvent der Universität Köln. Ein waschechter Kölner zudem, der sich mit kölschen Sprüchen das Leben erleichterte. “Et kütt wie et kütt, et hätt noch immer jot jejange”, traf er in seiner Anfangszeit am Herz-Jesu-Krankenhaus, das damals noch den Namen der Ordensschwestern trug, auf seinen Düsseldorfer Kollegen, den Chefarzt der Inneren Medizin, Prof. Dr. Wolfgang Wiegelmann, als langjährigen Wegbegleiter.
25 Jahre waren sie interdisziplinär verbunden. “Ein tolles Team haben Sie aufgebaut”, bescheinigte Wiegelmann seinem Kollegen soziale Kompetenz und Gewissenhaftigkeit. “Der gute Ruf eines Krankenhauses hängt von dem Wirken der Chefärzte ab”, zitierte der ehemalige Chefarzt Wiegelmann Konrad Adenauer “Der Herr bestrafe die, die so gut über mich reden, aber vergib mir, dass ich es so gerne höre”.
Über eine Million Bilder
900 000 Röntgenaufträge, das waren mehr als eine Million Bilder, die Dr. Rudolf Kaiser zu einer Koryphäe auf seinem Fachgebiet machten. Dieses medizinische Erfahrungswissen kommt ihm auch bei seiner Tätigkeit im Marburger Bund zu Gute.
Dass eine radiologische Abteilung in einem Krankenhaus nicht selbstverständlich ist, zeigte Geschäftsführer Leopold Lauenstein auf. Von bundesweit 2200 Krankenhäusern gebe es lediglich 800 mit einer eigenen Radiologie. Tendenz fallend. Und erinnerte, dass damals die Ordensschwestern das richtige Signal gesetzt haben, das Dr. Rudolf Kaiser innovativ umgesetzt habe. Seit 1978 habe sich das Familienkrankenhaus zu einem Hochleistungskrankenhaus entwickelt. Wurden 1978 8924 Patienten stationär behandelt, ist diese Zahl inzwischen auf 16500 angestiegen.
Dr. Benedikt A. Prümer
“Ende und Anfang liegen dicht beieinander: das Ende einer jahrelangen Verantwortung und der Anfang in der Übernahme dieser Verantwortung“, so wurde die Verabschiedung und Einführung der beiden Chefärzte überschrieben. In dankbarem Rückblick lenkte Sr. Josefia die Aufmerksamkeit auf den nachfolgenden Dr. Benedikt A. Prümer, dass er in einer Zeit schnelllebigen medizinischen Fortschritts die Herausforderung annehmen werde. Und wünschte, dass bei zunehmendem Stellenwert der interdisziplinären Arbeit der ganzheitliche medizinische Auftrag nicht verloren ginge, und er im Sinne der Spiritualität der Ordensgemeinschaft fort geführt werde.
Teamplayer mit Zukunftsplänen
Der in Rosendahl-Darfeld 1966 geborene Prümer, der bis 1992 an der Universität Münster war, ein Jahr später seine Approbation erhielt, nahm 1994 seine ärztliche Tätigkeit am Clemenshospital Münster auf. Dort wurde er Facharzt für Diagnostische Radiologie 1998 und 2003 zum Facharzt für Strahlentherapie und zum Leitenden Oberarzt bestellt. Er selbst sieht sich als Kliniker, als Teamplayer auch mit dem Ziel die bildgebenden Verfahren der Neurologie und des bewegten Organs, des Herzens, weiter zu entwickeln. “Ich glaube, ich habe die richtige Entscheidung getroffen”, sieht er die Latte sehr hoch gesteckt. “Aber ich kann aufrecht drunter her gehen”, freut sich Dr. Benedikt A. Prümer auf die neue Aufgabe.

Sr. Margret Grauthoff, msc, heißt Dr. Benedikt A. Prümer herzlich willkommen.
