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Patientenseminar Kontinenz

Mehrere Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Inkontinenz. Das betrifft Männer wie Frauen und sowohl Harn- wie auch Stuhlinkontinenz. Um die Betroffenen aus dem zudem noch tabuisierten Leiden zu holen und zu helfen, lud das Herz-Jesu-Krankenhaus im Rahmen der Weltweiten Kontinenzwoche zum Patientenseminar.

Das Experten-Team mit Moderatorin Karin Wejdling (3.v.l.) v.l.: Sabine Irmer, Prof. Dr. Rüdiger Horstmann, Dr. Joachim Zucker-Reimann, Dr. Franz Raulf, Tobias Schleifer, Elke Leding, Alexander Geißler und Angelika Henschel.

 

Es muss nicht immer gleich operiert werden

In vielen Fällen der Inkontinenz schafft die konservative Theraphie Abhilfe

Anschaulichkeit, Verständlichkeit und offene Worte für ein verheimlichtes Leiden war das Motto für sämtliche Kurzreferate, so dass die Teilnehmer zum einen mit einer Basisinformation zu den möglichen Ursachen der Inkontinenz versorgt wurden, zum anderen darauf aufbauend auch die erläuterten Therapien nachvollziehen konnten.

Verständliche Fachreferate

Dr. Joachim Zucker-Reimann, Chefarzt der Gynäkologie/Geburtshilfe, stellte die „Hängematte“ Beckenboden und seine Funktion vor, nannte etwa Geburtenzahl und zunehmendes Alter als Risikofaktoren für die weibliche Senkung und ging kurz auf die sieben verschiedenen Formen derselben ein. Symptome einer Senkung wurden ebenso vorgestellt wie Therapieverfahren. Obwohl Zucker-Reimann verschiedene OP-Verfahren, ihre Erfolgsquoten und Weiterentwicklungen vorstellte, teils kritisch beleuchtete und vor allem neuere Methoden erläuterte, lautete eine beruhigende Grundbotschaft: „Es muss nicht immer gleich operiert werden.“

Aussprechen, was quält

Chefarzt PD Dr. Anton Gillessen von der Klinik für Innere Medizin/Gastroenterologie machte den von Stuhlinkontinenz Betroffenen ebenfalls Mut zum Gespräch mit dem Arzt. „Sprechen Sie mit uns, und beschreiben Sie deutlich, was Sie quält“, appellierte er. „Anhand Ihrer genauen Beschreibungen können wir uns schon ein Bild von der Ursache machen und von Anfang an gezielter diagnostizieren.“ Gillessen informierte die Patienten über die Einteilung in einzelne Schweregrade der Stuhlinkontinenz. Wem es schwer fällt, Worte für etwa für die Beschaffenheit seines Stuhls zu finden, dem hilft eine Bildertafel, auf die er nur noch zu zeigen braucht. Dass man Untersuchungen nicht zu fürchten brauche, erklärte Gillessen schlicht an Schilderungen der Untersuchungsabläufe, um anschließend über Prävention, Therapien und das Thema Darmkrebs zu sprechen.

Spannender Einblick

Nicht alltägliche Einblicke bot Prof. Dr. Rüdiger Horstmann, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, den Interessenten, indem er u.a. einen kurzen Film über die minimal-invasive Operation eines Rektumprolapses abspielte. Dass kein Teilnehmer sich trotz charmanter Vorwarnung die Augen zuhielt, bestätigte den Mediziner: „Sehen Sie, wie unkompliziert dieser Eingriff ist, und es fließt noch nicht einmal Blut.“

Beckenboden stärken

Bei den Ausführungen von Alexander Geißler, Leiter der Physiotherapie, haben die Gäste sicher gestaunt, wie sehr die alltägliche Haltung, das „lümmelige“ Sitzen, falsches Heben, Atmen oder sogar Beinfehlstellungen sich negativ auf den Beckenboden auswirken, indem sie den Druck auf ihn erhöhen. Zu seinen Lasten gehen, so Geißler, auch viele bekannte Übungen (etwa die Sit-ups) für eine Badestrand-taugliche Bauchmuskulatur. Ein den Beckenboden nicht belastendes Muskeltraining wurde als Alternative vorgestellt.

Moderatorin Karin Wejdling lud die Anwesenden zum Schluss der offiziellen Expertenfragerunde ein, an der neben den Fachreferenten auch Urotherapeutin Sabine Irmer, Proktologe Dr. Franz Raulf (End- und Dickdarmzentrum Münster), Tobias Schleifer, Oberarzt der Klinik für Urologie, Onkologische Urologie und Neuro-Urologie des HJK, Fachphysiotherapeutin Elke Leding sowie Angelika Henschel von der Selbsthilfegruppe Kontinenz Münster teilnahmen.

 

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