Das Magengeschwür
Der Magenschmerz ist ein sehr häufiges Symptom bei Magenerkrankungen, aber auch Völlegefühl und Sodbrennen können auf eine Magenkrankheit hinweisen. Die häufigsten Erkrankungen des Magens sind die Magenschleimhautentzündung (Gastritis) und das Magengeschwür (Ulcus). Diese sind unter anderem auf die Ernährungsgewohnheiten, vor allem scharfes Essen, Süßigkeiten, Alkohol und Nikotin zurückzuführen.
Wie entsteht eine Magenschleimhautentzündung?
Der Magen ist das Organ, in dem der durch die Zähne bereits zerkleinerte Nahrungsbrei mit Salzsäure und anderen Verdauungssäften versetzt und somit für die weitere Nahrungsverwertung vorbereitet wird.

Die im Magen gebildete Salzsäure ist also für den Verdauungsvorgang notwendig. Wird aber zuviel Magensäure gebildet, oder ist der natürliche Schleimhautschutz des Magens zu schwach, so kann dieses Organ von der selbst produzierten Säure angegriffen werden und es kommt zur Ausbildung von Magenschleimhautentzündung (Gastritis) oder sogar von Magengeschwüren (Ulcus). Die Salzsäure kann aber auch den Zwölffingerdarm schädigen und so zu Zwölffingerdarmgeschwüren führen.
Weiterhin sind vor einigen Jahren Bakterien entdeckt worden, die für die Ausbildung von Magengeschwüren mitverantwortlich gemacht werden (Helicobacter pylori).
Wie wird eine Magenschleimhautentzündung oder ein Magengeschwür festgestellt?
Um die Ursachen der Magenschmerzen zu klären, muss eine Magenspiegelung (Gastroskopie) durchgeführt werden. Hierbei wird ein etwa fingerdicker flexibler Schlauch mit einer Kamera an der Spitze und einer Kaltlichtquelle über Mund und Speiseröhre in den Magen vorgeschoben. Dadurch kann man die Magenschleimhaut in einer Vergrößerung auf einem Fernsehschirm darstellen und es können bei dieser Untersuchung auch kleine Proben aus der Magenschleimhaut entnommen werden.
Diese Untersuchung kann ganz ohne Medikamentengabe durchgeführt werden, es ist jedoch auch möglich, vor der Untersuchung Beruhigungsmittel zu geben.
Wie wird eine Magenschleimhautentzündung und ein Magengeschwür behandelt?
Der größte Anteil der Magenschleimhautentzündungen und der Magengeschwüre kann durch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten behandelt werden. Wenn auch die Bakterien (Helicobacter pylori) im Magen nachgewiesen wurden, dann wird eine Tablettenkur mit Antibiotika durchgeführt.
Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreicht, oder wenn sie vom Patienten nicht vertragen wird, um die Magengeschwüre ausheilen zu lassen, oder wenn die Komplikationen eine Magengeschwürs (Blutung, Durchbruch des Geschwürs durch die Magenwand) auftreten, so muss eine Operation durchgeführt werden. Hierdurch soll zum einen die Säureproduktion im Magen gesenkt werden, zum anderen sollen die Organschädigungen behoben werden.
Durch eine Teilentfernung (2/3 Entfernung) des Magens können Magengeschwüre auch operativ behandelt werden. Hierbei wird der untere, säurebildende Anteil des Magens entfernt, der Restmagen wird dann mit dem Dünndarm neu verbunden, so dass die Nahrung auf dem normalen Weg weitertransportiert werden kann.
Eine andere Möglichkeit, die vor allem bei Zwölffingerdarmgeschwüren angewandt wird, ist die Durchtrennung der sogenannten Vagusnerven (Vagotomie), die die Säureproduktion des Magens steigern. Hierdurch wird die Transportfunktion des Magens nicht beeinflusst. Diese Operation kann auch über eine Bauchspiegelung mit nur kleinen Schnitten durchgeführt werden.
Kann man nach einer Teilentfernung des Magens das Leben noch genießen?
Nach einer solchen Operation ist es notwendig, über den Tag verteilt mindestens 5 - 6 kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen, da ja das "Auffangdepot", der Magen, jetzt deutlich verkleinert ist. Die Verdauungsfunktion des Magen-Darm-Traktes bleibt jedoch erhalten, so dass keine Mangelzustände auftreten. In manchen Fällen muß lediglich einmal im Monat ein Vitamin B-Präparat gespritzt werden, da ein notwendiger Trägerstoff (intrinsic factor) vom Restmagen nicht mehr gebildet wird und das Vitamin dadurch nicht mehr aus der Nahrung aufgenommen werden kann.
Im übrigen kann man nach einer Magenoperation sein "normales" Leben wieder aufnehmen.
Der Magenkrebs
Der Krebs des Magens tritt in den letzten Jahren in Europa immer häufiger auf, hat aber noch lange nicht die Häufigkeit der Erkrankungen in Japan erreicht.
Er ist eine bösartige Erkrankung, die häufig von der Magenschleimhaut durch langjährige Magengeschwüre oder auch durch Vererbung der Anlagen ausgeht. In manchen Fällen ist die Ursache eines Magenkrebses nicht mehr nachzuvollziehen.
Wie kann man einen Magenkrebs erkennen?
Der Magenkrebs verursacht anfänglich keine Schmerzen. Erst im Spätstadium treten diese auf. Zuvor kommt es zu Gewichtsverlust, Druckgefühl im Oberbauch, Blutarmut und häufig zu einer plötzlichen Abneigung gegen Fleisch.
Diese Beschwerden können aber auch durch harmlose Erkrankungen verursacht werden. Daher sollte man bei längerdauernden auch leichten Magenbeschwerden eine Magenspiegelung (Gastroskopie) durchführen lassen, wodurch eine Krebserkrankung im Idealfall ausgeschlossen, oder aber doch noch frühzeitig entdeckt werden kann. Wenn in einer Familie häufiger Krebserkrankungen aufgetreten sind, so sollten sich auch die gesunden Familienangehörigen regelmäßig einer Magenspiegelung unterziehen, da die Anlage zu dieser Erkrankung erblich ist (die Erkrankung selbst ist nicht vererbbar!!).
Wie wird ein Magenkrebs behandelt?
Ist ein Magenkrebs entdeckt worden, muß er durch eine Operation entfernt werden. Hierbei wird immer ein Teil des Magens (Magenresektion) mit entfernt. Es wird dann anschließend eine neue Verbindung zwischen Restmagen und Dünndarm gebildet.
Hat der Krebs eine gewisse Größe erreicht, oder ist er in der Mitte des Magens gelegen, so muss der ganze Magen entfernt werden (Gastrektomie). Dies ist erforderlich, um einen ausreichenden Sicherheitsabstand von den Krebszellen zu erhalten, um auch die nicht sichtbaren, mikroskopisch kleinen Ausläufer des Krebses sicher mit zu entfernen. Bei der vollständigen Magenentfernung wird eine neue Verbindung zwischen Speiseröhre und Dünndarm hergestellt.
Bei diesen Operationen werden auch die Lymphknoten, die um den Magen gelegen sind, mit entfernt. Lymphknoten sind eine Art Filterstation des Lymphgewebes, in denen sich vom Magen abtransportierte Krebszellen festsetzen können. In manchen Fällen muss auch die Milz aus Sicherheitsgründen entfernt werden.
Kann man nach einer Teilentfernung des Magens das Leben noch genießen?
Auch nach einer vollständigen Entfernung des Magens und auch der Milz kann man ein recht normales Leben weiterführen.
Es ist jedoch notwendig, über den Tag verteilt mindestens 5 - 6 kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen, da ja das "Auffangdepot", der Magen, jetzt deutlich verkleinert bzw. nicht mehr vorhanden ist. Die Transportfunktion des Verdauungstraktes bleibt jedoch erhalten, so dass der Speisebrei normal weitertransportiert wird. Es müssen jedoch nach der Operation ein Leben lang Medikamente (Verdauungpräparate, Vitamine) eingenommen werden, da diese ohne Magen nicht mehr aus der Nahrung aufgenommen werden können.
Kann man sonst noch etwas gegen einen Magenkrebs unternehmen?
Die wichtigste Maßnahme ist die Vorbeugung. So sollte übermäßiger Genuß von Koffein und Nikotin ebenso wie das Essen von extrem scharf gewürzten Speisen vermieden werden. Die Ernährung sollte ausgewogen sein, und wenn Beschwerden im Bereich des Magens auftreten und nicht innerhalb eines angemessenen Zeitraums (2-3 Wochen) verschwunden sind, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Nach der Operation des Magenkrebses sollte man regelmäßige Kontroll-Magenspiegelungen durchführen lassen, um ein eventuell erneut auftretendes Krebsgeschwulst frühzeitig entdecken zu können.
Manchmal ist es notwendig nach der Operation eines Magenkrebses eine Chemotherapie durchzuführen. Dies ist dann der Fall, wenn der Krebs schon in einem fortgeschrittenen Stadium war und der Arzt noch im Körper verteilte Krebszellen vermutet.
Ist der Magenkrebs heilbar?
Diese Frage kann eindeutig mit "Ja" beantwortet werden.
Hierzu ist aber die frühzeitige Erkennung des Krebses (durch eine Magenspiegelung) erforderlich, so dass der Tumor eine gewisse Größe unterschreitet. Dann kann durch die Entfernung der Geschwulst mit einem ausreichendem Sicherheitsabstand auch der Magenkrebs geheilt werden.
Sodbrennen
Sodbrennen entsteht meistens dadurch, daß saurer Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Normalerweise wird dieses durch einen Schließmuskel (unterer Oesophagussphinkter) verhindert. Eine vergrößerte Lücke im Zwerchfell (Hiatushernie), die angeboren ist und dann im Laufe des Lebens weiter zugenommen hat, kann dazu führen, dass dieser Verschlußmechanismus nicht mehr richtig funktioniert. Das Resultat ist dann eine Übersäuerung der Speiseröhre, die sich vor allem in Sodbrennen äußert. Es kann auch zu einem dumpfen Schmerz oder Druck hinter dem Brustbein kommen, ein Symptom, das häufig als Herzleiden fehlgedeutet wird. Außerdem werden von dem Patienten zeitweise Schluckstörungen, morgendliche Heiserkeit und ein vermehrtes Aufstoßen beklagt. Weniger bekannt ist, dass die Erkrankung zu chronischem Husten, Bronchitis, Lungenentzündung und auch zu Asthma führen kann. In seltenen Fällen kann auch eine chronische Halsentzündung, Zahnfleischentzündungen und Mittelohrentzündungen resultieren.
Durch den Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre (Reflux) wird die Schleimhaut der Speiseröhre geschädigt (Refluxoesophagitis). Es können narbige Einengungen der Speiseröhre und eine Umwandlung der Speiseröhrenschleimhaut in Magenschleimhaut (Barrett-Syndrom) resultieren. Dies gilt als Krebsvorstufe.
Das Sodbrennen wird zunächst mit einer Umstellung der Lebensgewohnheiten (Vermeidung von Süßigkeiten, Oberkörperhochlagerung, etc.) behandelt. Falls diese Maßnahmen nicht ausreichen, können Medikamente (z.B. Antra®, Agopton®) eingesetzt werden. Bei einigen Patienten kommt es nach Absetzen dieser Medikamente in kurzer Zeit wieder zu Beschwerden. Bei manchen hilft die Reduktion von Säure durch diese Medikamente nicht, so dass sie weiterhin über starkes Sodbrennen klagen. In all diesen Fällen steht eine weitere Behandlung zur Verfügung. Es handelt sich um die operative Verbesserung des Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen. Durch diese Operation wird versucht, die Ursache der Erkrankung zu beseitigen, ohne lebenslang Medikamente mit zweifelhaften Nebenwirkungen einnehmen zu müssen.
Die offenen Operationsverfahren (Bauchschnitt) sind seit Mitte der 50er Jahre bekannt. Wegen erheblicher Störungen nach der Operation (Schluckstörungen) sind sie in Verruf geraten. Heute wird die Operation minimal invasiv (ohne Bauchschnitt mittels Knopflochchirurgie) durchgeführt. Der Eingriff ist zwar risikoarm, jedoch technisch anspruchsvoll und sollte nur in Zentren mit großer Erfahrung durchgeführt werden. Es wird in Vollnarkose operiert, das Verfahren ist nahezu schmerzfrei, Magensonde oder Wunddrainagen werden nicht eingelegt. Eine Nahrungsaufnahme ist schon am Abend des Operationstages zulässig, die Klinikentlassung erfolgt nach 3-10 Tagen.
Literatur:
Horstmann, R.: Ist die laparoskopische Fundplicatio eine sinnvolle Alternative zur medikamentösen Therapie der Refluxkrankheit? Abstractband des Arbeitskreises für Gastroenterologie Münster und Münsterland (März 1999)
Kamholz,T., Pointer,R: Lebensqualität nach laparoskopischer Antirefluxchirurgie
Chirurg 69: 947-959 (1998)